Pfarrkirche St.Maria
Virtueller Rundgang durch die Kirche
Das älteste Bauwerk von Weggis, das Jahrhunderte überdauerte, ist der Turm der Pfarrkirche. Sein Ursprung verliert sich im Dunkel der Zeit. Er steht auf einem zum See auslaufenden Felsen, der beim Obkillenegg von den Fluten des Sees umspühlt wurde. Es dürfte sich um einen Wacht- oder Wehrturm am Seegestade, wo der Umschlag der Güter zum anderen Ufer stattfand, gehandelt haben.
Möglich ist es auch, dass die Dienstmannen des Klosters Pfäfers, dem Weggis einst zugehörte, in diesem Turm wohnten. In einiger Höhe der Südseite des Turmes befindet sich nämlich ein Einstieg. Der Turm ist das kraftvolle Beispiel eines aus unregelmässigen Steinen ausgeführten Menschenwerkes, das schon über tausend Jahre festgegründet dasteht. Der Grundriss ist rechteckig; die Mauerdicken betragen über zwei Meter, der Innenraum 3 x 2,70 m, also ein Vierungsturm. Das unverputzte, unregelmässige Mauerwerk mit Steinen aus mächtigen Quadern und zum Teil niedrigen Steinschichten ohne Randschlag und kammerrecht bearbeitet, gibt dem Turm in seiner Aussenansicht einen besonderen Reiz. Die Steine des Turmes sind einem Steinbruch auf der Grossmatt entnommen worden, der früher "Fuchsentobel" genannt worden ist. Trotz verschiedenen Neu- und Umbauten der angelehnten Kirche ist der Turm unversehrt erhalten geblieben, glücklicherweise auch beim Umbau von 1965/66.
Die Kirche, vielleicht zuerst eine kleine Kapelle, ist mehrmals erneuert worden. Einige Male hatten die Kilchgenossen von Weggis zu einem Neubau, zu einer Verbesserung oder zu einem Umbau Stellung zu beziehen, seitdem sie 1431 den Kirchenzehnten und Kirchensatz "unserer lieben Frau" erwerben konnten.
Weitere Einzelheiten sind der Broschüre "100 Jahre Pfarrkirche St. Maria Weggis - 1. Juli 1888 bis 3. Juli 1988" zu entnehmen. Diese liegt im Schriftenstand auf oder ist im Pfarreisekretariat erhältlich.
Angaben über verschiedene geschichtliche Begebenheiten bei der Pfarrkirche Weggis im Laufe der Jahrhunderte:
| ca. 800 | Vergabung von Gütern in Weggis und Vitznau an das Kloster Pfäfers. Bau eines ersten Bethauses auf dem Kelnhof. In das Kirchenspiel Weggis waren kirchgenössig die Dörfer Greppen, Wylen, Husen, Vitznau, Ober- und Niederdorf zu Weggis. |
| 998 | Bestätigung des Besitzes von Weggis samt einer Kirche an das Kloster Pfäfers durch Papst Gregor V. |
| 1116 | Papst Paschalis II. bestätigt neuerdings die Kirche Santa Maria und das Dorf Weggis. |
| 1275 | Die Kirche von Weggis wird genannt, die ein Leutpriester besorgt. |
| 1315 | Das Hofrecht von Weggis regelt den Zehnten an die Kirche von Weggis. |
| 1431 | Kauf des Kirchenzehnten und des Kirchensatzes (Patronats- und Kollaturrecht) durch die Kilchgenossen zu Weggis. |
| 1471 - 1473 | Kirchenneubau unter Pfarrer Johannes Eberhard; Erhöhung des Turmes; Erstellung eines Friedhofes bei der Kirche. |
| 1473 | 21. Februar: Einweihung der neuen Kirche durch Bischof Burkard von Sebasti, Generalkommissar des Bischofs von Konstanz. |
| 1513 | Bildliche Darstellung der Kirche in der Bilderchronik von Diebold Schilling. Kleine Kirche mit Spitzhelm auf dem Turm. |
| 1559 | Turmaufbau um ca. 7 m; vier Schallfenster, neuer Spitzhelm; Beinhaus St. Jakob westlich der Kirche erbaut. |
| 1605 | Die "gnädigen Herren von Luzern" machen die Weggiser auf die vielen Mängel an der Kirche aufmerksam. |
| 1684 - 1685 | Das Beinhaus wird abgetragen und ein Neubau erstellt, genannt "Maria zum guten Rat"; ausgedehnte Renovations- und Umbauarbeiten an der Kirche; Bau der Heilig-Kreuz-Kapelle am Rigiweg. |
| 1686 - 1689 | Neuerstellung der Altäre; im Choraltar Verwendung der Mittelgruppe und von zwei Standfiguren aus einem alten Altar. |
| 1691 | Fassung des Choraltares, des "Altare privilegiatum" in Farben und leuchtendes Gold. |
| 1722 | Neue Kirchenbestuhlung. |
| 1724 | Einbau von "Krezen" (Chritzli) an der Kirchen-Innenwand. |
| 1764 | Nachdem der Kirchhof immer höher aufgeschüttet wurde, musste man in der Kirche durch eine Stiege wie in einen Keller hinuntersteigen. Erhöhung des Mauerwerkes über den Fenstern um 1,8 m; Auffüllung des Kircheninnern auf die gleiche Höhe des Friedhofes; neuer Dachstuhl. Kirche mit 392 Sitzplätzen. Während dieses ausgedehnten Umbaus fanden die Gottesdienste in der Kapelle des Beinhauses statt. |
| 1765 | 9. Juni: Blitzschlag in den Kirchturm. Brand des Turmhelmes bis auf das Mauerwerk; Absturz der vier Glocken. Durch abstürzende Balken gerät auch das Kaplanenhaus in Brand und wird eingeäschert. |
| 1765 | Neuguss von vier Glocken, die heute, nach über zweihundert Jahren, noch erhalten sind. |
| 1767 | 10. Juni: Fertigstellung des neuen, achtseitigen Turmhelmes, der seither in der gegenwärtigen Form besteht. |
| 1841 | Entfernung der alten Seitenaltäre; zwei neue Seitenaltäre mit Gemälden von Melchior von Deschwanden, Stans. |
| 1844 | Neue Turmuhr mit Viertel-, Repetier- und Stundenschlag. Die letzten Stundenschläge dieses Uhrwerkes ertönten am 25. Februar 1966. Vorläufig hat das handwerklich gefertigte Werk in der Eingangshalle des Kirchmattschulhauses Aufstellung gefunden. |
| 1852 | Beginn der Vorarbeiten für einen Kirchenumbau, da in der Kirche zu wenig Platz vorhanden für das Dorf mit 1'300 Einwohnern. |
| 1858 | Gründung des Kirchenbaufonds. |
| 1860 - 1873 | Erweiterung des Friedhofes, der bisher 176 Erwachsenen- und 50 Kindergräber zählt. |
| 1880 | Blitzableiter auf der Turmspitze. |
| 1881 | 29. Mai: Beschluss eines Kirchenneubaus unter Pfarrer Kaspar L. Graf. |
| 1885 | 18. Oktober: Genehmigung des Kirchenprojektes von Baumeister Wilhelm Keller aus Luzern mit 536 Sitzplätzen. |
| 1886 | Abtragung des Beinhauses und der Kirche. Beginn des Neubaus. |
| 1888 | 1. Juli: Einweihung der neuen Kirche durch Bischof Augustinus Egger von St. Gallen. |
| 1902 | Neueindeckung der bisher mit Schindeln belegten Turmes in Kupfer. |
| 1945 | Umbauprojekt für die Kirche von Architekt Paul Alfons Furger, Luzern, unter Pfarrer Robert Eberli. |
| 1948 | Bau des Pfarreiheimes (heute Pfarreizentrum), um hier während des Kirchenumbaus die Gottesdienste abhalten zu können. |
| 1948 - 1949 | Friedhoferweiterung. |
| 1954 | Elektrischer Glockenantrieb. |
| 1963 | Wahl einer Baukommission für die Renovation und Umgestaltung der Pfarrkirche. |
| 1964 | Krediterteilung von Fr. 40'000.00 aus dem Renovationsfonds für die Kirchenplanung. |
| 1965 | 6. März: Die Bürger beschliessen die Renovation und Umgestaltung der Pfarrkirche nach dem Projekt von Architekt J. Wey mit gleichzeitiger Krediterteilung von Fr. 1'300'000.00. |
| 1965 | 3. November: Beginn der Renovationsarbeiten. |
| 1966 | 23. August: Einweihung des Altares und der umgebauten Kirche durch Bischof Franziskus von Streng. |
| 1988 | Neue Beleuchtung (Kristallglas-Leuchter) |
| 2008 | Innenreinigung. Die Decke zierten einst vier Deckengemälde des bekannten Kunstmalers Troxler, einem Schüler von Kunstmaler Deschwanden von Stans. Vorne vor dem Chorbogen war das hl. Abendmahl dargestellt. Auf der anderen Seite desselben im Schiff der Kirche die Weihnachtsgeschichte. In der Mitte des Schiffes Maria Himmelfahrt und oberhalb der Orgel die hl. Cäcilia an einer Tastatur. Leider sind zwei davon mit dem Anbringen einer Gipsgurte unwiderruflich zerstört worden. Somit bleiben die Reste der Deckengemälde sowie die Bilder am Chorbogen unter einer Gipsschicht verborgen. |
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